Man kennt sie als Mitglied des Renaissancemusik-Ensembles Mikado, des sich in frei improvisierter Soundabstraktion übenden Low Frequency Orchestra wie auch des Noise-Rock-Elektronik-Kollektivs Balkon: Im Rahmen ihres CD-Debüts stellt Maja Osojnik, die 30-jährige Flötistin und Sängerin aus Kranj bei Ljubljana, die seit 1995 in Wien lebt, nun erneut eine gänzlich andere Materie in den Mittelpunkt ihres Tuns:“die traurigsten, die mir liebsten slowenischen Volkslieder“. Berührend sind sie, diese Lieder, die gleichsam aus kindlicher Perspektive existenzielle Grundbefindlichkeiten wie Abschied, Liebe, Tod, aber auch Gesellschaftskritisches wie Krieg – im collageartigen, musikalisch in raffinierter Weise doppelbödigen Titelstück – verhandeln.
Auch stimmlich bleibt Osojnik kindhaft-unmanieriert, interpetiert sie die Volksliedmelodien unprätentiös und straight, während umso mehr Raffinesse und Detailarbeit in den Arrangements steckt. Abstrakte elektronische und konkrete urbane Soundscapes, freie und musettefarben getönte Strukturen (Clemens Salesny an Bassklarinette bzw.Akkordeon) sind zu vernehmen, während die ambitionierten jungen Quartettanten – Philipp Jagschitz (Piano), Bernd Satzinger (Kontrabass), und Michael Prowaznik (Schlagzeug) – auch durchaus profund kammerjazzigen Umtrieben frönen. Ein sorgfältig ausgearbeitetes, ein substanzvolles Debüt, von dem man sich nur zuweilen etwas mehr vokalen Gestaltungwillen gewünscht hätte – so wie in der großartigen, von einem hexenhaften Ausbruch bekrönten Nummer „Iz Zemlje gre v trsek“ / „Hoch lebe die Knospe“.