Engels- und Teufelsmusiken: Maja Osojnik

Ein Gespräch mit der vielseitigen slowenischen Sängerin und Flötistin

Andreas Felber / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.5.2007

 

Wien – Es gibt Dinge, die man bei Musikerinnen an sich nicht ansprechen darf – will man sich nicht der Gefahr boulevardesker Themenverfehlung aussetzen. Bei Maja Osojnik freilich muss man dies tun. Frisurenmäßig halb auf Punk, halb auf braves Mädchen getrimmt, erscheint diese Doppelgesichtigkeit als Spiegel ihrer musikalischen Janusköpfigkeit. Hat die 31-jährige Flötistin und Sängerin, die aus Kranj nahe Ljubljana stammt und 1995 zum Flötenstudium nach Wien kam, doch in den letzten Jahren als Musikerin auf sich aufmerksam gemacht, die auf noch mehr Hochzeiten tanzt, als dies bei multipel sozialisierten GenerationskollegInnen ohnehin üblich ist. Osojnik wirkt als Blockflötistin im Renaissancemusik-Ensemble Mikado mit, frönt mit dem Low Frequency Orchestra vor allem der basslastigen freien Improvisation und lässt als Vokalistin – die Jazz an der Konservatorium-Wien-Privatuniversität studiert – gerne auch im Rahmen ihrer Noise-Punk-Band Balkon die sprichwörtlich Schweinemama raus. Nur so zum Beispiel.

 

"Auf die Schnelle würde man sagen: Nein, das hat nichts miteinander zu tun, das sind verschiedene Welten", resümiert Osojnik. "Der rote Faden, der sich für mich durch diese Projekte zieht, ist: Aussage. Statement. Ich denke immer erzählerisch. Etwa, wenn wir mit Mikado ein Programm wie 'Can she Excuse?' gestalten, in dem wir Frauengestalten aus verschiedenen Richtungen beleuchten. Jede Musik birgt Statements in sich. Wobei immer Themen wie Verlust oder Tod eine Rolle spielen." Welcher Art diese Messages auch sein können, zeigt Osojnik mit ihrer kürzlich erschienenen Debüt-CD "Oblaki so rdeci / Die Wolken sind rot", mit der sie ein weiteres Aktionsfeld betritt: Klar und schnörkellos interpretiert sie slowenische Volkslieder, eingefasst in kammerjazzige Arrangements, die indessen auch Musique-concrète-Zuspielungen und ein Akkordeon nicht verschmähen.

"Mich haben Inhalt und Direktheit dieser Lieder fasziniert, sie sind einerseits brutal und doch unpathetisch. Sie verzieren nicht, sie erklären nicht, sie sagen nur: So ist es! Etwa in 'Der Tod hat krumme Rippen': Dem Tod ist egal, was du hast, wer du bist, er findet dich! Ich wollte den Liedern in ihrer Simplizität und Direktheit treu bleiben, während ich sie musikalisch teils stark verändert habe", so Osojnik, die den Titelsong in doppelbödiger Musikantik zu einem handfesten Antikriegslied collagierte, das unter die Haut geht. Es überrascht also nicht, dass Osojnik, die mittlerweile von Wien als "meine Stadt" und Slowenien als "mein Land" spricht, auch zur Kärntner Ortstafel-Diskussion eine prononcierte Meinung hat: "Der Staat Österreich sollte endlich seine eigenen Bürger – die Kärntner Slowenen – respektieren. Denn: Wie kann ich einen Staat respektieren, der seine eigenen Gesetze nicht ernst nimmt?", so die offenohrige Musikerin, die ihr CD-Programm beim Balkan-Fever-Festival im Porgy & Bess präsentierte.

Was hat es also mit der Haartracht auf sich? "Ich experimentiere gerne, nicht nur mit Musik. Aber das ist spontan passiert, als ich vor einem Jahr nach einem halben Liter Wein beschlossen habe, dem Frisurenvorbild meiner Zwillingsschwester zu folgen. Ich sage immer, die langen Haare stehen für meine Engelsseite, die kurzen für das Teuferl in mir, für die Wahrheit. Nicht dass so viel Boshaftigkeit in mir wäre, aber ein bisschen Feuer lege ich schon gerne."