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Positionen, über Musik im steirischen Herbst/ORF-Musikprotokoll Graz Oktober 08, Gisela Nauck

Freistil#22,12/08, über Musik im steirischen Herbst/ORF-Musikprotokoll Graz Oktober 08, Andreas Fellinger

Wiener Zeitung, 7th August 08 - Oskar Tonkli

 

http://intimacy-art-gossip.blogspot.com/2007_07_01_archive.html

...Genau wie Sängerin Maja Osojnik, die mit unglaublich vielen Farben und Stilen das kulturelle Mischmasch Sloweniens repräsentiert und dabei noch französischen Chanson und Volkslieder einflechtet. Stets weiss sie mit einem Song eine Geschichte zu erzählen, wie etwa, dass der "Tod krumme Wimpern" habe, um den die Erben schleichen, "doch wenn die Güter erst mal verbraucht sind, kommt vielleicht doch die Erinnerung an den Toten zurück". Osojnik ist im wahrsten Sinne des Wortes unberechenbar spannend, wobei der außergewöhnlich gute Klavierspieler Philipp Jagschitz ihre Band noch einmal aufwertet...

 

From Magazine „Muska“ / Slovenia

Author: Mario Batelic

…ce smo doslej pri nas pri obravnavanju ljudske zapuscine poznali bolj ali manj konvencionalne jazzovske prijeme, se Osojnikova ne boji poseci v tkivo tvorno, inventivno in drzno. Njeni posegi nimajo vsakic enakega ucinka, ampak v celoti gledano gre za sveze in nove pristope, ki nas veckrat presenetijo….in videti je, da je njeno zanimanje za razlicne zvrsti in podzvrsti botrovalo tudi njenemu razmisljanju o novih zvocnih podobah slovenskih ljudskih. Med slednjimi je kar nekaj taksnih, ki so postale obce (kaj ti je deklica, nocoj pa oh nocoj, vsi su venci vejli) in zatorej predstavljajo spolzek teren za kakrsne koli in(ter)vencije. A osojnikova si upa, saj je domala vsaka pesem zastavljena drugace. Vsi su venci vejli nam uvodoma, denimo, postreze z efekti, ki priklicejo pritajeno grozo, vsebovano v sami pesmi, ter z odmerjeno doziranim basovskim klarinetom, ki uvede precej modernojazzovsko, iscoco, malone mikrotonalno postavitev zvena. Pozneje se klarinetu pridruzijo se bobni in bas, medtem ko Maja prepeva lepo, ponosno, drzno, brez bolecine in odvecnega patosa. Zato pa fantje iz ozadja gradijo zvokovni nemir na ravni najboljsih improjazzistov. Morda najbolj presunljiv trenutek na albumu in odlicen nastavek za mozno nadaljevanje tovrstnih projektov. Nocoj pa oh nocoj se zacne kot “lepa” jazzovska balada z minimalisticno ali raje asketsko klavirsko igro in obcutenim petjem. A to slisimo le uvodoma, kasneje pa se komad zasuka v rahlo drugacno vzdusje, morda blize sansonu ali kantavtroski pesmi. Iz zemle gre v trsek, se, ce ga (neizogibno) primerjamo z razlicico Tomaza Pengova, sprva izkaze za manj prepricljivo, a si Osojnikova sredi pesmi privosci precej norcavo in vznemirljivo vokaliziranje, polno grlenih zvokov in ostrih vzklikov. Pomembno vlogo imajo na albumu zvocni ucinki in obcasni terenski posnetki (za oboje je , ob igranju na kljunasto flavto, poskrbela avtorica projekta), ki vecinoma sluzijo za barvanje vzdusja. Pohvaliti je treba clane kvarteta (na ljubljanski jazzfestival pride sekstet; dodatna glasbenika, elektricni kitarist in harmonikar, pa sta prisotna ze na albumu), ki so glede na dejstvo, da prihajajo iz Avstrije in teh pesmi najbrz prej niso poznali, lepo ujeli vzdusja pesmi, ter se se lepse podali v eksperimentiranje. Le-to pa ni konstantno, tako da nekatere pesmi delujejo prevec enostavno – kajpak zato, ker smo pred tem slisali nekaj zelo drugacnega in pricakujemo posebne posege. Ampak v celoti vzeto predstavlja album pomemben prispevek k slovenski jazzovski ustvarjalnosti in prav hecno je, da nihce teh pesmi ze prej ni predelal na podoben nacin. Morda je pomagal avstrijski zrak? Ne mislim seveda reci, da se Osojnikova loteva ljudskih pesmi nekonvecionalno zato, ker biva v Avstriji, marvec zato, ker ima siroko glasbeno zaledje in ji niso tuje drug(acn)e glasbe. Razgledanost torej, ki bi prav prisla marsikateremu domacemu glasbeniku! 

 

Engels- und Teufelsmusiken: Maja Osojnik
Ein Gespräch mit der vielseitigen slowenischen Sängerin und Flötistin
Andreas Felber / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.5.2007

Wien – Es gibt Dinge, die man bei Musikerinnen an sich nicht ansprechen darf – will man sich nicht der Gefahr boulevardesker Themenverfehlung aussetzen. Bei Maja Osojnik freilich muss man dies tun. Frisurenmäßig halb auf Punk, halb auf braves Mädchen getrimmt, erscheint diese Doppelgesichtigkeit als Spiegel ihrer musikalischen Janusköpfigkeit. Hat die 31-jährige Flötistin und Sängerin, die aus Kranj nahe Ljubljana stammt und 1995 zum Flötenstudium nach Wien kam, doch in den letzten Jahren als Musikerin auf sich aufmerksam gemacht, die auf noch mehr Hochzeiten tanzt, als dies bei multipel sozialisierten GenerationskollegInnen ohnehin üblich ist. Osojnik wirkt als Blockflötistin im Renaissancemusik-Ensemble Mikado mit, frönt mit dem Low Frequency Orchestra vor allem der basslastigen freien Improvisation und lässt als Vokalistin – die Jazz an der Konservatorium-Wien-Privatuniversität studiert – gerne auch im Rahmen ihrer Noise-Punk-Band Balkon die sprichwörtlich Schweinemama raus. Nur so zum Beispiel.
"Auf die Schnelle würde man sagen: Nein, das hat nichts miteinander zu tun, das sind verschiedene Welten", resümiert Osojnik. "Der rote Faden, der sich für mich durch diese Projekte zieht, ist: Aussage. Statement. Ich denke immer erzählerisch. Etwa, wenn wir mit Mikado ein Programm wie 'Can she Excuse?' gestalten, in dem wir Frauengestalten aus verschiedenen Richtungen beleuchten. Jede Musik birgt Statements in sich. Wobei immer Themen wie Verlust oder Tod eine Rolle spielen." Welcher Art diese Messages auch sein können, zeigt Osojnik mit ihrer kürzlich erschienenen Debüt-CD "Oblaki so rdeci / Die Wolken sind rot", mit der sie ein weiteres Aktionsfeld betritt: Klar und schnörkellos interpretiert sie slowenische Volkslieder, eingefasst in kammerjazzige Arrangements, die indessen auch Musique-concrète-Zuspielungen und ein Akkordeon nicht verschmähen.
"Mich haben Inhalt und Direktheit dieser Lieder fasziniert, sie sind einerseits brutal und doch unpathetisch. Sie verzieren nicht, sie erklären nicht, sie sagen nur: So ist es! Etwa in 'Der Tod hat krumme Rippen': Dem Tod ist egal, was du hast, wer du bist, er findet dich! Ich wollte den Liedern in ihrer Simplizität und Direktheit treu bleiben, während ich sie musikalisch teils stark verändert habe", so Osojnik, die den Titelsong in doppelbödiger Musikantik zu einem handfesten Antikriegslied collagierte, das unter die Haut geht. Es überrascht also nicht, dass Osojnik, die mittlerweile von Wien als "meine Stadt" und Slowenien als "mein Land" spricht, auch zur Kärntner Ortstafel-Diskussion eine prononcierte Meinung hat: "Der Staat Österreich sollte endlich seine eigenen Bürger – die Kärntner Slowenen – respektieren. Denn: Wie kann ich einen Staat respektieren, der seine eigenen Gesetze nicht ernst nimmt?", so die offenohrige Musikerin, die ihr CD-Programm beim Balkan-Fever-Festival im Porgy & Bess präsentierte.
Was hat es also mit der Haartracht auf sich? "Ich experimentiere gerne, nicht nur mit Musik. Aber das ist spontan passiert, als ich vor einem Jahr nach einem halben Liter Wein beschlossen habe, dem Frisurenvorbild meiner Zwillingsschwester zu folgen. Ich sage immer, die langen Haare stehen für meine Engelsseite, die kurzen für das Teuferl in mir, für die Wahrheit. Nicht dass so viel Boshaftigkeit in mir wäre, aber ein bisschen Feuer lege ich schon gerne."

Richard Schuberth - Balkan Fever

Maja Osojnik ist eine Exzentrikerin mit Schalk im Nacken, die zweifellos von einer anderen Ecke als jener der Volksliedpflege kommt. Mit schrillem Auftreten, aber dunklem Alt interpretiert sie slowenische Volkslieder, teils mit respektvoller Behutsamkeit, teils mittels totaler Umkomposition und Neucodierung. Die vorherrschende Melancholie ihrer Songs, die sie mit einem Schuss Ironie vor dem Geschmäcklerischen rettet, ist keine slowenische Selbstverständlichkeit, wie das Klischee von der slawischen Seele vermuten lie?e. Slowenische Volksmusik ist vielseitig, größtenteils jedoch nicht weit von österreichisch-alpiner entfernt. Man muss schon ein bisschen mit dem Ethnographenfinger kratzen, um ältere, modale, südlichere und östlichere Formen sowie Lieder von tragischer Wucht und anmutiger Poesie zu entdecken, wie Maja Osojnik es tat. Ihre CD „Oblakiso rdeci“ (Die Wolken sind rot) landete einen für österreichische Jazz-Maßstäbe unerwarteten Erfolg bei Publikum und Presse. Dabei kam die aus Kranj gebürtige Allroundkünstlerin erst relativ spät zum Jazz, 2002 begann sie bei diversen LehrerInnen, darunter Ines Reiger am Konservatorium der Stadt Wien, Jazzgesang zu studieren. Davor und daneben war und ist sie eine Allrounderin, die sich in keiner Schublade wohl fühlt und die österreichische Musikszene von den verschiedensten Richtungen her stürmt. Mit dem Ensemble Mikado spielt sie Alte Musik auf der Blockflˆte, ein unterschätztes Instrument, auf dem sie im Low Frequency Orchestra frei improvisiert; als Vokalistin ihrer eigenen lfo Paradeiser Connection und bei anderen Bands komponiert sie elektronische Musik und verbindet diese mit ihrer alle Frei- und Verruecktheiten genißenden Stimme und mit der Band Balkon schreit sie sich zu Metal, Noise und Hardcore ihre Seele aus dem Leib. A woman with many hats.  

 

Falter" Nr. 12/07 vom 21.03.2007 Seite: 71

Ressort: Stadtleben

Christopher Wurmdobler

Im Soundgarten

STADTMENSCH Die Musikerin Maja Osojnik macht Alte Musik, Jazz und interpretiert slowenische Volkslieder neu. Eine Punkband hat sie auch noch.

Freizeit habe ich keine", sagt Maja Osojnik. Wenn sie mit ihrem Nachziehkoffer in der Stadt unterwegs ist, dann begibt sie sich auf keine Fernreise - meist geht es nur in den nächsten Proberaum oder zu einem Auftritt. Die slowenische Musikerin, die seit elf Jahren in Wien lebt, ist nämlich außerordentlich beschäftigt, an diversen Bandprojekten beteiligt und überhaupt ständig auf Achse. Und in ihrem geräumigen Koffer transportiert sie ihr Instrumentarium: elektronische Geräte, Mischpult, CD-Player mit Scratchfunktion, Verstärker. Ihr wichtigstes Instrument hat die Dreißigjährige sowieso immer mit dabei: ihre Stimme, laut und überaus kräftig, aber immer mit einer Spur Sehnsucht. Vielleicht macht der Musikerin deswegen auch das Weltgetöse um sie herum, Verkehr, Menschen, Baumaschinen, überhaupt nichts aus. "Begonnen hat es mit Lärm von außen", erzählt sie. Sie hatte einfach Pech mit einer sehr lauten Wohnung direkt bei einer Baustelle. Mittlerweile beginnt ihr Tag mit selbstgemachtem Morgenlärm: "Computer, Fernseher, Radio, ich arbeite im Lärm. Wenn ich komponiere, können sämtliche Maschinen rennen."

Geboren in der slowenischen Industriestadt Kranj, wollte Osojnik nach dem Gymnasium eigentlich Schauspiel studieren. Obwohl sie schon damals in diversen Grungebands spielte, die von amerikanischen Bands wie Pearl Jam oder Soundgarden inspiriert waren. Ihre ältere Schwester ist Malerin, ihre Zwillingsschwester Tänzerin. "Dabei stamme ich gar nicht aus einer idyllischen Künstlerfamilie. Aber meine Eltern haben gerne gesungen und gefeiert, daher kenne ich auch die alten Volkslieder." Dass slowenische Musik in Wien eher unbeachtet wird, liegt womöglich auch daran, dass Slowenien zu nahe liegt, um als exotisch zu gelten.

Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, kam Osojnik mit 19 nach Wien und begann, an der Musikhochschule Blockflöte zu studieren. Ausgerechnet das Schülerfolterinstrument! Aber die Musikerin versichert, das Flötenspiel habe in Slowenien nicht "jene tragische Tradition" wie hierzulande. Bald lernt sie in Wien Jazzmusiker kennen, weil sie gute musikalische Angebote fast nie ablehnen kann und vor Ideen sprudelt, engagiert sie sich in zahlreichen Projekten.

Balkon heißt die Punkband mit eigenen Hardcorenummern,-texten und viel Spaß am Lautsein. Mit dem Low  Frequency Orchestra lotet Osojnik elektronische Klänge aus, mit der Frauenband Subshrubs freie Improvisation und Elektronik. Das Projekt Paradeiser Connection hat sich überhaupt dem Freestyle verschrieben, das Ensemble Mikado der Alten Musik. Die Gruppe hat diverse internationale Preise gewonnen und gibt auch im Ausland erfolgreich Gastspiele.

Aktuell konzertiert die Musikerin mit dem Maja Osojnik Quartett, dem "größten Quartett der Welt", mit oft sechs oder mehr Mitgliedern. Kürzlich präsentierte man das Album "Oblaki so rdecÇi" (Die Wolken sind rot), einer von der Kritik sehr gelobten CD mit slowenischen Volksliedern im Jazz-und Elektronikgewand, durch eigenwillige Instrumentierung verfremdet. Folk urban: Auf dem Cover sieht man Osojnik mit ländlichem Zopf hoch über den Dächern der Stadt stehen; dass die eine Hälfte ihres Kopfes punkig rasiert ist, sieht man auf dem Foto nicht.

Ernst sind die Volkslieder, die Maja Osojnik singt. Wenn sie bei Auftritten die oft todtraurigen Texte nicht übersetzen würde, bei all der Lebensfreude, die sie versprüht, man würde es kaum glauben. Dabei sieht sich die Musikerin keineswegs als Gute-Laune-Gogo: "Ich finde nicht, dass meine Rolle die des Cheerleaders ist. Manchmal bin ich auch verdammt ernst." Es habe sogar schon Konzerte gegeben, bei denen das Publikum geschlossen weinte. "Mir ist wichtig, die Leute ins Herz zu treffen mit meiner Musik. Und sei es nur, indem sie sich provoziert fühlen. Doch ich liebe auch guten Humor." Osojnik schaltet nicht nur zwischen Emotionen und musikalischen Welten um, gleich einer Schauspielerin kann sie auch Gesichter und Rollen wechseln: "Jedes Lied, das ich singe, versuche ich für mich zu visualisieren." So schlüpft sie auch beim Singen in Rollen und versucht, mit ihrer Stimme Typen zu charakterisieren.

Als sie zum ersten Mal nach Wien kam, empfand Osojnik die Stadt viel altmodischer und konservativer als heute. Auch wenn sie oft zu ihrer Familie nach Kranj reist, daheim ist die Musikerin mittlerweile in Wien, schätzt dessen Weite und Breite. "Ich war in New York und war davon begeistert", erzählt sie. "Alles war dort so amazing, aber irgendwann war mir die Luft zu eng zwischen all den Wolkenkratzern. Als ich dann nach Wien zurückkam, dachte ich: Wow, du bist zu Hause. Wien hat eine gute Luft."

Und wohl auch den passenden Lärmpegel.

 

Über ihre Debüt-CD und andere Projekte

mica-Interview; Martin Gansinger mit Maja Osojnik, März 2007

Die in Slowenien geborene Sängerin, Komponistin und Flötistin Maja Osojnik hat mit Oblaki so Rdeci - Die Wolken sind rot vor kurzem eine außergewöhnliche Sammlung von Bearbeitungen slowenischer Volkslieder veröffentlicht. Ein Gespräch mit einer ebenso vielseitigen wie viel beschäftigten Künstlerin...

MG: „Die Produktion deiner Debüt-CD hat offensichtlich ordentlich Bewegung in dein Quartett - bestehend aus Phillip Jagschitz am Klavier, Bernd Satzinger am Bass und Schlagzeuger Michael Prowaznik - gebracht, die Band ist seitdem um einiges größer geworden...“ 

MO: Durch diese CD-Aufnahme hat sich jetzt auch die Band vergrößert -auf jeden Fall kann man nicht mehr vom Maja Osojnik Quartett sprechen - wir sind jetzt zum Sextett angewachsen. Der Gitarrist Michael Bruckner und Clemens Wenger am Akkordeon sind mittlerweile wichtige Bestandteile der Band geworden. Das heißt, aus dem im Rahmen der Plattenaufnahme gewagten Versuch, durch neue Instrumentierungen neue Räume zu öffnen und neue Geschichten zu erzählen, hat sich für uns ein ganz neuer Weg entwickelt, den wir jetzt gemeinsam einschlagen. Dadurch ergibt sich ein noch größeres Spektrum an klanglichen Möglichkeiten, was sich im Rahmen der CD-Präsentationen schon wunderbar live bewährt hat. In der Alten Schmiede waren als weitere Gäste noch Clemens Salesny und Matija Schellander mit dabei - das war phantastisch - nur ein Oktett traue ich mich momentan noch nicht zu machen, aus finanziellen Gründen. (lacht). Auf jeden Fall habe ich auch zum ersten Mal probiert, Elektronik dazu zu spielen, das hat sehr gut funktioniert und das wird jetzt auch ein Bestandteil davon werden. Dadurch wird der Sound eben immer wieder elektronisch untermalt, mit diversen Samples, Sounds, Improvisationen. Das Ensemble ist sehr offen, auch für freiere Improvisation. Das heißt, das Konzept für die Zukunft lautet Kompositionen und Arrangements, verbunden mit freien Impros.“

MG: „Das ist dann aber doch ein ziemlich großer Schritt - von den Bearbeitungen der slowenischen Volkslieder auf der CD. Wobei diese ja immer wieder von reinen Jazz- oder auch Elektronik-Elementen überlagert wurden. Hat sich diese Entwicklung dann nicht viel mehr bereits mit der CD-Einspielung abgezeichnet bzw. hast du im Prozess der Aufnahmen festgestellt, dass sich deine Musik immer mehr vom Ausgangsmaterial entfernt und in verschiedene Richtungen erweitert  wird? “

MO: „Ich kann noch immer nicht genau sagen, welche Richtung das in Zukunft nehmen wird, ich möchte natürlich das jazzige behalten - ich möchte sogar das Ethno-Element behalten, das eben jetzt so hier und da auch ganz gut herausgekommen ist. Ich möchte das behalten, ich finde das sehr schön und es passt auch zu den Liedern. Wobei es auf jeden Fall slowenische Lieder bleiben werden, es gibt bereits auch neue Texte, die ich selbst schreibe - die bisherigen Interpretationen waren ja Bearbeitungen von Volksliedern. Wobei ich es auch irrsinnig schön finde, dass die Jungs in der Band auch so interessiert daran sind - Michael Bruckner beginnt jetzt auch zu arrangieren und lernt ganz eifrig Slowenisch mit mir (lacht). Wir lesen zusammen, damit er ein Feeling vom Rhythmus der Sprache bekommt, er ist richtig fasziniert davon und das finde ich toll. Insofern ist es klar, dass dieser Slowenien-Bezug ein wichtiger Teil von der ganzen Sache bleibt. Diese Sprache eignet sich auch wunderbar zum Singen, es hat einen sehr schönen Melos in der Aussprache, die das Publikum sehr schätzt, denke ich.“

MG: „Du trittst ja hierzulande größtenteils vor Publikum auf, das dieser Sprache ja nicht mächtig ist. Was hast du bezüglich dieser Sprachbarriere für Erfahrungen mit deinem Publikum gemacht? “

MO: „Also, ich muss sagen, dass das absolut kein Problem ist fürs Publikum. Nach den CD-Präsentationen sind viele zu mir gekommen und haben gesagt, dass sie sich schon gewünscht hätten, noch genauer zu verstehen, wovon die einzelnen Stücke handeln. Ich erkläre ja vor jedem Song kurz den Text, die Geschichte - aber viele haben gesagt, dass die Musik eigentlich so klar war, dass sie sie intuitiv nachempfinden konnten. Und das ist eigentlich das Wichtigste.“

MG: „Viele Sängerinnen und Sänger arbeiten ja auch viel mit lautmalerischen Klängen, die letztendlich auch ihre Bedeutungen in sich tragen...“

MO: „Ich finde diesen Ansatz prinzipiell schon interessant - also den Sänger als Instrumentalisten eine bestimmte Message weitergeben zu lassen - aber - das ist jetzt vielleicht ein wenig paradox, wenn ich das sage - ich bin zum Beispiel total auf Text bezogen. Wenn ich zum Beispiel arrangiere, möchte ich die Leute wirklich in die vom Text geschilderte Atmosphäre führen, da ist sozusagen jedes Wort wichtig, das ich singe. Sagen wir, ich habe eine Melodie - natürlich  ist es wichtig, dass du sie technisch schön aussingst, dass du etwas Besonderes daraus machst- aber mir ist jedes Wort  wichtig, das ich singe. Ich möchte jedem Wort diese spezielle Bedeutung geben. Es ist mir bis jetzt auch gut gelungen, die Musiker dorthin zu bringen, dass sie wirklich in die Geschichte der Lieder eintauchen - die haben natürlich irgendwie ihre ganz eigenen Geschichtenlaufen. Aber das ist ja auch das schöne daran, dass im Kopf der Zuhörer dadurch wirklich eine ganz eigene visuelle Welt entsteht. Das ist wie der Unterschied zwischen Buch und Film - der Film, oder in unserem Fall der Text, vermittelt dir ein ganz bestimmtes Bild und das Buch, in dem Fall die slowenische Sprache, regt deine Phantasie dazu an, dieses Bild selbst zu erzeugen. So sehe ich auch meine Verwendung der slowenischen Sprache. Ich erkläre zwar den Inhalt, das Publikum weiß, worum es geht, aber es hat andererseits dann doch die Freiheit, entweder ein Stück mitzukommen oder sich wirklich ihre ganz eigene Atmosphäre zu schaffen. Sie bekommen von mir lediglich einen kleinen Anstoss und können dann ganz in ihre eigenen Welten abtauchen. Mir ist wichtig, dass der Zuhörer immer auf irgendeine Weise aktiv ist, sozusagen. Egal was er macht - auch aktiver Schlaf ist wichtig (lacht). Aber diese Bereitschaft, dieses Mitkommen möchte ich erreichen, ohne dieses typische Cheerleaderhafte - ich möchte nicht nur nett unterhalten. Jeder neue Gedanke der in den Leuten auftaucht, ist mir wichtig. Auch wenn manche nach einem meiner morbideren Abende in einer gedrückten Stimmung nach Hause gehen - auch das ist wichtig! Dadurch bekommen sie Material zum Nachdenken. Das ist mir nämlich auch schon passiert, dass jemand so etwas zu mir gesagt hat. Was natürlich für mich eines der schönsten Komplimente ist - dass jemand ganz in einen bestimmten Zustand gefallen ist, sei es melancholisch oder morbid-bedrückt - aber zwei Tage später sind dann auch die Antworten zu diesen Leuten gekommen. Als ihnen plötzlich aufgefallen ist, dass sie schon zwei Tage darüber nachdenken, was sie an diesem Abend in meinem Konzert gehört haben. Das ist natürlich großartig, wenn ich mit meiner Musik in den Menschen irgendwie neue Kanäle öffnen kann. Viele lassen sich einfach verführen, wie in einem Film, bei dem du dich ausheulst und dadurch katharsisch befreien kannst.  Genau das ist mir wichtig, diese erzählerische Kraft zu behalten, egal in welcher Sprache. “

MG: „Im Rahmen deines Quartetts - oder Sextett muss man ja mittlerweile sagen - bleibt dies aber vorerst slowenisch, oder? “

MO: „Für dieses Projekt bleibt das auf jeden Fall slowenisch, denn ich möchte meine Sprache einfach bis zum Ende meines Lebens behalten. Momentan sieht es nicht danach aus, als ob ich sehr bald wieder in Slowenien leben werde, ich will aber trotzdem, dass diese Sprache ein Teil meines Lebens bleibt. Sei es privat gesprochen, mit Freunden, mit meinem Mann, oder sei es künstlerisch angewendet. In anderen Projekten verwende ich natürlich andere Sprachen auch - Englisch und Deutsch - oder ich verwende ganz abstrakte Sprachen, weil ich es sehr interessant finde, einfach neue Sprachen zu erfinden. Sprachen sind wichtig, sie vermitteln die Wörter, sind direkt.. Es gibt natürlich immer Sielraum zur eigenen Interpretation, das ist ja auch ganz toll, dass es das gibt. Trotzdem finde ich es wichtig, manche Sachen so genau zu artikulieren - sei es wörtlich oder musikalisch - dass einem nichts anderes übrig bleibt, als einfach mitzugehen. Das ist wie eine Rutsche. Wenn du erst einmal darauf sitzt, gibt es nur och einen Weg. Entweder du versucht mühsam wieder herauszuklettern oder du lässt sich einfach fallen. Und diese direkten Sätze finde ich manchmal auch wichtig. Auch wenn sie mitunter sehr provokant ausfallen, aber manchmal musst du etwas sehr direkt und sehr prägnant - und gut überlegt, wie du es formulierst - auf den Punkt bringen. Da muss man manchmal auch die Political Correctness über Bord werfen und einfach ganz genau sagen, was man denkt.“

MG: „Das machst du in der Regel aber ohnehin recht gut... 

MO: „Also, ich merke schon - jetzt nicht unbedingt bei meinem slowenischen Programm, auch da können sich Leute mitunter vor den Kopf gestoßen oder provoziert fühlen - dass es mir einfach gefällt, wenn ich jemanden zum Denken provoziere, ihn zu einer Entscheidung zwinge - wie gehe ich damit um, nehme ich diese Aussage jetzt persönlich, wieso macht es mich so betroffen, was sie sagt? Das finde ich eine sehr spannende Art der Kommunikation, wenn diese Reibung entsteht. Woher kommt so eine Reaktion? Es gibt natürlich immer soziale Hintergründe dafür, dass so eine Reaktion entsteht. Die Frage ist einfach, wie sehr sind sich die Menschen eigentlich wirklich im Klaren über sich selbst? Und diese Frage kann Kunst immer sehr gut vermitteln, auch wenn es gar nicht immer direkt gewollt ist.“

MG: „Mit deiner Noise/Punk-Formation Balkon ist das aber durchaus gewollt, oder? “

MO: „Da verfüge ich in Hinsicht auf Texte über irrsinnige Freiheit, die ich auch ganz für mich nutze. Manchmal spiele ich mit irgendwelchen Banalitäten und plakativen Sachen, die manchmal sehr störend sein können, wie ich bemerkt habe, und das bereitet mir Riesenfreude (lacht). Ich nenne das Poesie Noir, also Moral spielt in dieser Band für mich persönlich keine Rolle. Ich sage genau was ich sagen will, und Balkon ist insgesamt eine eher kantige Angelegenheit.“

MG: „Was sich ja auch gut musikalisch widerspiegelt... “

MO: „Das liegt natürlich auch an den beteiligten Musikern, neben mir Matija Schellander am Bass, Matthias Koch am Schlagzeug und Jorge Sanchèz Chiong an den Turntables. Meistens schreibe ich die Texte und die Stücke entstehen zusammen. Irgendjemand bringt eine Idee, die dann gemeinsam ausgearbeitet wird. Das ist so ein typischer Band-Prozess, an dem sich alle beteiligen. Die Musik nenne ich immer Noise/Metal mit Punk-Attitüde. Das ist auch ein Teil von mir, all meine unterschiedlichen Projekte collagieren eben meine Persönlichkeit als Ganzes.“

MG: „Wie kommt es eigentlich zu diesem Namen, Balkon? Doch nicht deswegen weil du dich textlich weit aus dem Fenster lehnst, oder? “

MO: „Das ist eine gute Frage, die Idee stammt von meinem Mann, Matija Schellander. Es kommt eigentlich von einem Satz eines sehr bekannten slowenischen Philosophen, der auch sehr viel für die Gruppe NSK - Neue Slowenische Kunst - gemacht. Slavo Szihek heißt er, und ich schätze ihn vor allem deshalb, weil er irrsinnig komplizierte Zusammenhänge mit ganz einfachen Worten und einem unglaublichen Humor zusammenfasst. Von ihm stammt der Satz We on balkon, we are the future, eine Anspielung auf den Balkan. So ist die Band zu ihrem Namen gekommen. “

MG: „Ein weiteres Projekt , an dem du beteiligt bist, ist das Low Frequency Orchestra, in dem du an der Flöte zu hören bist. Kannst du kurz etwas zur Entstehung und den aktuellen Projekten des Orchesters sagen? “

MO: „Die Idee war, mit einem tiefen Instrumentarium eine größere Band zusammen zu stellen, wobei der Name witziger Weise wieder von Matija stammt. Das Orchester besteht seit 2003, der Name ist aber mittlerweile nur mehr bedingt gültig, neben den zwei Kontrabässen, Schlagzeug, und Elektronik kommen neben den auch speziellen Bauvarianten der Flöten, die wir anfangs verwendet haben heute auch gerne zu höheren Instrumenten. Außerdem beginne ich auch immer mehr zu singen, und wir verwenden verstärkt elektronische Devices, Spielzeuge, Kassettenrecorder und CD-Player. Die ursprüngliche Idee war, dass wir gemeinsam frei improvisieren, teils mit Struktur, teils ganz frei. Während der Jahre haben sich aber verschiedene Ansätze herauskristallisiert, wir interpretieren etwa auch Stücke von jungen österreichischen Komponisten, der Elektroniker Thomas Grill leitete letztes Jahr das Spiel vom Kommen und Gehen, für das wir Bilder von Robert Lettner vertont haben. Im Moment arbeitet ich an einer 50-minütigen Komposition für das Low Frequency Orchestra plus zwei Gäste und eine Video-Künstlerin. Die Gäste sind Burkardt Stangl an E-Gitarre und Vibraphon sowie Michael Bruckner an der Gitarre. Als Video-Künstlerin wird diesmal Michaela Grill mitwirken. Vielleicht kurz zum Konzept: Es geht um ein virtuelles, erdachtes Land, in dem sich alle Träume versammeln, die geträumt wurden. Wohin verschwinden die Träume, wenn man morgens aufwacht? Ich versuche mit meiner Komposition dieses Land zu erschaffen, in das diese Träume ziehen. Die Komposition besteht aus mehreren Teilen, jeder Teil steht für einen Traum, die einzelnen Parts können sehr überraschende, komische Wendungen nehmen, wie sie im Traum nun mal stattfinden. Moral spielt im Traum natürlich auch wieder keine Rolle. Das ist für mich insgesamt wieder ein spannendes Feld - es ist alles erlaubt im Traum, da begegnet das Unterbewusstsein eines Menschen seinen realen Erklärungsmodellen der Welt. Diese Begegnung versuche ich in dem Stück auch musikalisch umzusetzen. Michaela Grill wird die einzelnen Stücke visualisieren, die Videos werden an die Decke projeziert und die Zuseher verfolgen das ganz im Liegen, in einem Bett. Man hört ja auch anders im Liegen. Der ganze Körper ist relaxt, aufnahmebereiter.

MG: „Du bist auch als Flötistin in dem Ensemble Mikado tätig, das sich einen ganz anderen musikalischen Schwerpunkt gesetzt hat... “

MO: „Mit meinem Ensemble Mikado spiele ich Alte Musik, vor allem englische Renaissance und Mittelalter. Wir sind fünf Musiker, vier Blockflöten - Thomas List, Katharina Lugmayr, Eva Reiter und ich, Agnes Heginger ist die Sopranistin. Eva Reiter spielt auch Viola da Gamba, dadurch ergeben sich unterschiedliche Instrumentierungen mit drei bis fünf Musikern. Daraus ergibt sich ein sehr farbiges schönes Programm, wir verfügen über ein recht offenes Spektrum an Möglichkeiten. Vor zwei Jahren haben wir einen internationalen Wettbewerb in Antwerpen gewonnen, der uns einige Türen zu großen europäischen Festivals geöffnet hat, den Regensburger Tagen der Alten Musik zum Beispiel. Das Ensemble hat sich mittlerweile recht gut etablieren können, es sind zwei weitere CD-Produktionen in Planung, wir arbeiten sehr intensiv mit der Jeunesse zusammen. “

MG: „Ist es nicht irrsinnig schwierig, all diese unterschiedlichen Projekt unter einen Hut zu bekommen?“

MO: „Ich arbeite sehr gerne an unterschiedlichen Projekten, all meine unterschiedlichen Projekte collagieren mich als Ganze Persönlichkeit. Da gibt es zum Beispiel auch noch ein reines Frauen-Projekt, mit Katharina Klement am Klavier, Billy Roisz macht Sound, Elektronik und bald auch Video-Kunst, und Angèlika Càstello und ich spielen Blockflöte. Insgesamt bleibt da schon relativ wenig Freizeit, aber ich bin einfach ein Workaholic, ich brauche das ganz einfach“ (lacht).

 

Hannes Schweiger in FreiStil März/April 07 Ausgabe / Rubrik Beschreiblich Weiblich / Portrait Maja Osojnik

MAJA OSOJNIK

Ich bin ein „Band-Freak“

Hannes Schweiger im FreiStil März/April 2007 Ausgabe

Das Verhältnis Slowenien/ Österreich ist ja derzeit leider vor allem aufgrund unappetitlichen Auftretens einiger Kärntner Provinzpolitiker in Sachen Minderheitenpolitik im Gespräch.

Doch, dass andernorts ein reger, befruchtender kultureller Austausch stattfindet, der das Verbindende vor das Trennende stellt, beweist u.a. auch die seit längerem in Wien lebende und schöpferisch arbeitende junge slowenische Musikerin Maja Osojnik. Unumwunden, verbal wie klanglich, macht sie deutlich, was in ihrem Tun und Denken keinen Platz hat: Scheuklappendenken und Kleingeistigkeit. Tritt man Maja Osojnik gegenüber, wird man unmittelbar ihrer Direktheit, Herzlichkeit und Energiebündelhaftigkeit gewahr. Die Musikerin ist ein ständig sich in Bewegung befindender Kreativgeist. Eindringlich unterstrichen wird diese neugierige, eloquente Rastlosigkeit durch Osojniks niemals ziellos wirkendes Wandeln zwischen den unterschiedlichsten musikalischen Ausdrucksformen. Ihre Haltung dabei ist Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und Authentizität. Eine schulische Ausbildung absolvierte sie auf der Blockflötenfamilie. In Amsterdam wie in Wien. Sie spielt in dieser Instrumentenfamilie alles, von der Diskantblockflöte bis zur Bassblockflöte. Für die Stimme, das Singen hegt die Musikerin seit frühester Kindheit eine große Leidenschaft, der sie bis heute frönt und der sie sich seit einiger Zeit intensivst widmet. Ob in einem Jazz-Mainstream Kontext wie im Maja Osojnik Quartett oder einer radikal experimentellen Form wie in Projekten wie den Ensembles Balkon, ein Kollektiv welches in seiner brachialen Musik mit Noise-Rock und Metal-Elementen arbeitet, bzw. Low Frequency Orchestra, das sich aktueller Musik an der Schnittstelle Improvisation/Komposition widmet. Dem nicht genug, ist sie auch Teil des Wiener Alte Musik-Ensembles Mikado und entwickelte mit ihrer Zwillingsschwester Vita, ihres Zeichens Choreografin, Videokünstlerin und Tänzerin, ein Multimediaprojekt.

Maja Osojnik, die sich auch im Erscheinungsbild betont non-konformistisch gibt und eine eigene Note zur Schau stellt, liebt das Überraschende, das Unvorhersehbare und scheut sich nicht Risiken einzugehen. Das verdeutlicht auch ihre musikalische Sozialisation. Aufgewachsen mit dem Volksliedgut Sloweniens, dann intensive Auseinandersetzung mit Alter Musik, als Jugendliche stark geprägt von der „Grunge“-Bewegung und weitere Erkundungen von, für sie persönlich, musikalischem Neuland.

Folgerichtig äußert sie sich gleich zu Beginn des Gespräches zum nach wie vor diskursiven Thema Improvisation: „Für mich besitzt Improvisationsmusik eine unmittelbare Direktheit. Ich führe in diesem Zusammenhang gerne das Beispiel Filmmusik an. Hier, da sie als Unterstützung des Bildes fungiert, akzeptieren die Leute all die Geräuschhaftigkeit und das experimentelle Wesen. Kaum ist das Bild weg, sind sie unangenehm berührt und verstört. Als entscheidend sehe ich, wie visuell jemand betreffend Musikhören geprägt ist. Das heißt, lässt sie/er ihre/seine Phantasie erblühen. Da stellen sich dann für mich zwei Fragen. Erstens: was hindert sie daran? zweitens: vor was haben sie Angst? Zurück zur Improvisation: also ich empfinde es als ein wunderbares Erlebnis, wenn Ereignisse in der Improvisation klar zu wirken beginnen. Demzufolge finde ich es sehr wichtig, dass sich Improvisationensembles auch genaue Konzepte und Strukturverläufe erarbeiten. Dadurch, finde ich, wird eine gemeinsame Sprache erlernt und der Materialfundus wesentlich bereichert. Durch dieses gemeinsame Erkunden erreicht man folglich auch beim Improvisieren ohne Vorgaben eine Stufe auf der man viel zwingender, tiefgreifender kommunizieren kann. Es kommt eine andere Qualität ins Spiel. Und noch eines erscheint mir wichtig, nämlich, dass ein Ensemble eine eigene Sprache entwickelt. Das unterscheidet ein eingespieltes Ensemble von einem „ad hoc“-Ensemble. Das sind Fakten, die für mich weit mehr zählen, als das Bestreben immer innovativer, überraschender sein zu müssen – was immer das heißen mag. Mit einem Improvisationsensemble intensiv zu arbeiten bevorzuge ich eindeutig gegenüber dem spontanen Musizieren mit immer neuen Leuten, was zweifelsohne auch sehr spannend ist und was ich auch hin und wieder tue. Nur, das alleine wäre mir zu wenig. Ich bin ein ´Band-Freak´. Denn, wenn mir etwas taugt, möchte ich es öfter erleben.“

Die Stimme, die Lieder, das Singen

„Ich lernte Lieder und das Singen so richtig bei diversen Familienfesten kennen, wo meine Eltern sangen und ich vor Begeisterung und Stolz dahinschmolz. Ich selbst habe dadurch angeregt zwar auch immer vor mich hingesungen, was mir auch ein Bedürfnis war. Aber so richtig professionell habe ich das Singen nicht weiterverfolgt. Dies hing auch damit zusammen, dass meine Stimme, so sagte man damals in der Musikschule, zu kräftig und laut sei. Ich bin heute froh, dass sie es immer noch ist. Dennoch habe ich als Jugendliche in diversen Bands gesungen, aber ohne weiterführende Ambitionen. Schauspielerin zu werden, war zu der Zeit so ein Traum.“

Die Blockflöte

„Doch mit dem Entschluss eine Musikerinnen-Laufbahn einzuschlagen, kam ich zur Blockflöte.“ Das ereignete sich allerdings eher zufällig. Auslösender Grund, so erzählt die Musikerin, war ihre erste Lehrerin, eine Spezialistin für Alte Musik. Beeindruckt von dieser Pädagogin und deren engagiertem Vermitteln ergab sich für Osojnik relativ schnell die Möglichkeit in einem Ensemble und Konzerte zu spielen. „Das war eine wirklich ernsthafte Angelegenheit. Wir spielten Kammermusik, Tänze etc. Jene dadurch bedingte Konfrontation und Auseinandersetzung mit Barock- und Renaissancemusik hat mich dermaßen beeindruckt und motiviert, fast noch mehr als das Instrument selbst, dass ich bei der Blockflöte geblieben bin. Ich liebe die Blockflöte nach wie vor. Aber der Gesang bietet natürlich gänzlich andere, vielschichtigere Ausdrucksmöglichkeiten. Mich reizt die Kombination aus diesen beiden Instrumenten. Folge dessen bin ich zur Stimme zurückgekehrt. Außerdem bin ich ein Mensch der vieles ausprobieren muss.“

Die Pluralistin

Dies widerspiegelt sich auch in der bereits erwähnten Fülle ihrer musikalischen Aktivitäten. Sich der unterschiedlichsten musikalischen Idiome zu bedienen ist für ihre Identität als Künstlerin von enormer Bedeutung, unterstreicht Maja Osojnik nachdrücklich. Nur einer Ausdrucksform Interesse zu schenken, entspricht nicht ihrer Vorstellung von musikalischem Wirken. Das Um und Auf dabei - ihre Persönlichkeit und Eigenheiten ausleben zu können.

„Eigentlich bin ich bestrebt in jedem Umfeld ich selbst zu sein. Es wird lediglich eine andere Charakteristik meiner Person betont. Ich vergleiche dieses Wandern mit einem Rollenspiel. Heute spiele ich z. B. Shakespeare morgen Brecht. Aber immer mit dem gleichen Ernst, und der selben Hingabe. Mit diesem „Rollenschlüpfen“ habe ich einen Weg für mich gefunden. Nichts desto trotz finde ich es ganz wichtig, dass man konsequent in eine Richtung forscht und wirklich ins Detail geht. Andererseits von ebensolcher Wichtigkeit ist für mich das Wechseln in eine andere Ästhetik und dort weitersuchen. Darum betreibe ich derart unterschiedliche musikalische Projekte. Das hat etwas lebenserhaltendes für mich. Zudem habe ich festgestellt, dass egal in welchem musikalischen Umfeld ich mich bewege, ich zu ähnlicher Form der Kommunikation und ähnlicher Suche nach dem Ausdruck strebe. Außerdem frage ich mich, wieso berührt mich ein Stück von Soundgarden ebenso herzzerreißend, wie ein Stück Alter Musik das ich spiele. Ergo, das Entscheidende ist, was ich mit der erzählten Geschichte mitteilen möchte und nicht die verwendeten Mittel. Mich interessieren im Grunde diese Grenzziehungen und stilistischen Schubladen nicht im Geringsten. Wenn ich ein Projekt angehe denke ich überhaupt nicht darüber nach.“

Alte Musik, neu interpretiert

An diesem Punkt kommt Maja Osojnik wieder auf die Alte Musik zu sprechen, mit der sie ja eine ganz prägende Erfahrungsschatz verbindet. Betreffend einer heutigen Interpretation Alter Musik hat sie eine dezidiert individuelle Auffassung und sucht mit ihren KollegInnen im Alte Musik Ensemble Mikado nach anderen Wegen.

„Erst einmal finde ich, dass Alte Musik enorm ´rockt´. Hinsichtlich der Schwierigkeit Alte Musik heute zu spielen  gibt es zu aller erst eine simple Antwort: weil es eben keine Tondokumente von damals gibt. Zweitens hat sich die Ästhetik in der Interpretation Alter Musik stark verändert. Die ersten Ensembles, die in den 1960er Jahren Alte Musik interpretiert haben, spielten was den Klang betraf, vorwiegend im klassischen Idiom, also ausgeprägte Vibrati etc. Was für mich auch einen gewissen Reiz hat. Doch die neue Bewegung der Interpretation Alten Musik auf den Spuren des Originalklanges und die damit verbundene Ästhetik, finde ich schon sehr interessant. Wiewohl es einige Aufnahmen gibt, die mir zu brav und unterkühlt klingen. Hiezu ist allerdings anzumerken, dass es ganz entscheidend ist aus welcher Schule man kommt. Mit dem Mikado Ensemble versuchen wir, diese Aufführungspraxis etwas aufzubrechen. Wir kommen z.B. alle aus der „Wiener Schule“ für Alte Musik und lernten bei einem ihrer heute wichtigsten Vertreter, Hans Maria Kneihs. Er vermittelte uns ein enormes, streng regelmentierendes Detailwissen. Für wich war dieses Wissen um die Tradition ausschlaggebend, um sie hier oder dort wieder verlassen zu können – immer unter Bedacht einer musikalischen Sinnhaftigkeit. Selbstverständlich beziehen wir uns auf das heute existierende Klangbild bei der Interpretation Alter Musik, jedoch erlauben wir uns mit dem gebührenden Respekt Arrangements, die ein ganz anderes dynamisches oder artikulationsmäßiges Spiel zulassen. Somit wirken wir vielleicht auf eine Art frischer. Die Charakteristik des Stückes darf jedoch nicht darunter leiden und von großer Bedeutung sind auch die Texte und der damit verbundene erzählende Charakter.“

„Oblaki so rdeci (die wolken sind rot)“, die CD

Die erste unter Maja Osojniks eigenem Namen dokumentiert das Ergebnis eines längeren Arbeitsprozesses mit ihrem Jazzquartett bestehend aus Musikern der umtriebigen Jazzwerkstatt Wien, plus Gästen auch von ebendort, in dessen Zentrum slowenische Volkslieder stehen. Lieder die von schwerer Melancholie geprägt sind, jedoch nicht resignativ wirken, sondern kritische Worte finden. Der primär vorherrschende neo-klassizistische Jazzhabitus der Musik, wird mit etlichen in diesem engen Rahmen möglichen interessanten Harmoniefortschreibungen und -umdeutungen in den Arrangements von Osojnik etwas aufgeraut. Dennoch gerät die Musik mitunter zu gefällig und manierlich und vor allem in den Soli, hätte die eine oder andere Rotzigkeit die poetische Kraft der Lieder zusätzlich belebt. Doch nun zu Maja Osojniks Sicht der Dinge: „Mein Ansinnen war es auf der CD eine erzählerische Atmosphäre zu schaffen, weshalb ich auch Field Recordings, die den experimentellen Aspekt repräsentieren und als Bindeglieder fungieren, integrierte. Die traditionelle Form habe ich gewählt, weil ich die Simplizität beibehalten wollte. Ausgegangen bin ich von den melodischen Verläufen der Lieder und habe diese in neue harmonische Gewänder gekleidet. Die eine oder andere Melodie habe ich völlig neu gestaltet. Wie gesagt, die Einfachheit und das Erzählende waren mir wichtig. Ich wollte mich nicht einer übersteigerten Dramatik hingeben. Der Jazzkontext resultiert daher, dass ich mit den Musikern die auf der CD zu hören sind, schon seit längerem ein Jazzensemble betreibe. Die Idee war, mit dieser Band slowenische Volkslieder anders zu deuten. Somit war der Jazzrahmen automatisch gegeben, aus dem ab und an doch alle wieder ausbrechen. So wie der Pianist Philipp Jagschitz z.B., der klassische Elemente aufgreift, aber auch zu Präparierungen zu bewegen war. Der Kern der Musik ist jedoch die Jazztradition. Und was die melancholische Stimmung betrifft, ist diese ein ganz wesentlicher Teil meiner Persönlichkeit, den man in der Öffentlichkeit nicht so kennt. Dieser nachdenkliche Aspekt, diese direkten Fragen wie Liebe, Tod, die ja Teil des Lebens eines jeden Menschen sind – sich mit diesen Themen intensiv zu beschäftigen finde ich unablässig. Ich leide sehr darunter einen mir nahestehenden Menschen zu verlieren, andererseits habe ich keine Angst vor dem Tod. Das erklärt meinen Hang zu traurigen Liedern.“

Da sie bereits in sehr jungen Jahren das familiäre Zuhause verlassen hatte und aufgrund von sprachlichen Barrieren sich oft in der Rolle der Außenseiterin wiederfand, markiert diese CD auch eine gewisse Heimkehr. Eine Heimkehr zu ihrer Muttersprache. Nicht daraus abgeleitet werden kann, betont die Musikerin, eine nationalistische Bindung zum Staat Slowenien. Osojnik versteht sich als Kosmopolitin. In der Auswahl der Lieder und ihrer Texte verdeutlicht sich zudem Maja Osojniks soziales Engagement und gesellschaftskritisches Denken. „Sprache ist ein eminent wichtiges Medium für mich.“

 

Andreas Felber für das Concerto 1/2007

Man kennt sie als Mitglied des Renaissancemusik-Ensembles Mikado, des sich in frei improvisierter Soundabstraktion übenden Low Frequency Orchestra wie auch des Noise-Rock-Elektronik-Kollektivs Balkon: Im Rahmen ihres CD-Debüts stellt Maja Osojnik, die 30-jährige Flötistin und Sängerin aus Kranj bei Ljubljana, die seit 1995 in Wien lebt, nun erneut eine gänzlich andere Materie in den Mittelpunkt ihres Tuns:“die traurigsten, die mir liebsten slowenischen Volkslieder“. Berührend sind sie, diese Lieder, die gleichsam aus kindlicher Perspektive existenzielle Grundbefindlichkeiten wie Abschied, Liebe, Tod, aber auch Gesellschaftskritisches wie Krieg – im collageartigen, musikalisch in raffinierter Weise doppelbödigen Titelstück – verhandeln.

Auch stimmlich bleibt Osojnik kindhaft-unmanieriert, interpetiert sie die Volksliedmelodien unprätentiös und straight, während umso mehr Raffinesse und Detailarbeit in den Arrangements steckt. Abstrakte elektronische und konkrete urbane Soundscapes, freie und musettefarben getönte Strukturen (Clemens Salesny an Bassklarinette bzw.Akkordeon) sind zu vernehmen, während die ambitionierten jungen Quartettanten – Philipp Jagschitz (Piano), Bernd Satzinger (Kontrabass), und Michael Prowaznik (Schlagzeug) – auch durchaus profund kammerjazzigen Umtrieben frönen. Ein sorgfältig ausgearbeitetes, ein substanzvolles Debüt, von dem man sich nur zuweilen etwas mehr vokalen Gestaltungwillen gewünscht hätte – so wie in der großartigen, von einem hexenhaften Ausbruch bekrönten Nummer „Iz Zemlje gre v trsek“ / „Hoch lebe die Knospe“.

 

 

Feber 2007 | Kleine Zeitung Region Klagenfurt | Kultur | Ilse Schneider

Da Zopf, dort Punk

Die Stimme - ein Ereignis. Zwei Welten - ein Programm. Die neue CD der slowenischen Musikerin Maja Osojnik.

Auf der einen Kopfseite ein braver Mädchenzopf, auf der anderen kahl geschorener Punk - Maja Osojniks Outfit ist auch Programm für ihre Musik. Slowenische Tradition, überzuckert und unterfüttert mit Free-Creative, Jazz und Elektronik. Grundlage für die CD der aus Kranj stammenden Musikerin sind slowenische Lieder mit all ihrer Melancholie und - was seltener ist - Übermütigkeit.

Ihre Stimme - ein Ereignis. Gesanglich weich, kreischend scharf, traurig dunkel. Erstaunlich, wie viele Facetten sie auspackt. Bis in die letzte Nervenfaser trifft diese Stimme. Mit manchen dieser fast geräuschartigen, tonlos erstickten Laute scheint sie eine Blockflöte zu imitieren. Sie springt blitzartig zwischen Volksmusik und Improvisatorischem hin und her, lässt sich aber auf Folklorejazz nicht ein. Zwei Welten nebeneinander - wie Maja Osojniks Frisur.

 

 

Im ZOO, Stadtleben, Menschen der Woche, C. Wurmdobler, W.Kralicek, Falter 5/07

Alle Blumenkränze sind welk, nur der meine ist grün, denn ich benetze ihn mit meinen Tränen“: Unglaublich, dass jemand, der so melancholische (Volks) - Lieder singt, trotzdem ganz lustig auftritt. Maja Osojnik verbindet ihre slowenische Seele mit ausgesprochen guter Musik und präsentierte, gemeinsam mit ihrem erweiterten Quartett, in der Alten Schmiede das unbedingt empfehlenswerte Album „Oblaki so rdeci“ („Die Wolken sind rot“). Wer sich einbisschen vor der Schublade Weltmusik fürchtet: Die in Wien lebende Musikerin kann auch anders, jazzig und elektronisch nämlich, von der wollen wir mehr!

 

Aus dem Artikel Ohren Auf! Falter 4/07 – Kultur, Klaus Nüchtern
... Ein Händchen oder, besser, eine Kehle fürs Zupackende und Expressive hat auch die in Wien lebende Sängerin Maja Osojnik, die sich auf „Oblaki so rdeci“ (Jazzwerkstatt/Lotus) der Volkslieder ihrer slowenischen Heimat annimmt (und dabei von einem sehr kompetenten Klaviertrio und anderen Jazzwerkstättern begleitet wird). Die Songs sind so, wie man schon immer vermutet hat – ganz schön melancholisch – , aber Osojniks schöner, dunkler alt (der auch einen Hauch von Laszivität zu verbereiten vermag) schützt verlässlich vor Larmoyanz...

 

 

review from Stephan Sperlich from www.skug.at

Maja Osojnik Quartet, »Oblaki so rdeci«, Jazzwerkstatt Records

skug # | Text: Stephan Sperlich | Tue 2. Jan. 2007
Was Jazz anbelangt bin ich ja ein völliges Nackerbatzel, das Miles nicht von Davis unterscheiden kann. Die Zahl der nachweislich wunderbaren Jazzplatten die mich ratlos hinterlassen haben ist Legion. Umso schöner, wenn ich ein Album in die Hand bekomme, das mir nicht erneut meine Unzulänglichkeit beweist und mich Fach-/Krachidiot charmant abholt ohne laut o. ä. werden zu müssen. Dies hier ist so eines. Die in Wien lebende slowenische Musikerin hat sich als Blockflötistin, Sängerin und Elektronikerin in verschiedensten Projekten alter, neuer, experimenteller und heftiger Musik einen Namen gemacht. Nun legt sie auf ihrer Soloplatte Arrangements slowenischer Volkslieder für ihr Jazzquartett vor. Klingt jetzt nicht wie die Neuerfindung des Rades, ist aber eine äußerst spannende Sache, da »Oblaki so rdeci« weit über eine bloße »Verjazzung« von Folklore hinausgeht. Denn die beiden Idiomatiken werden nicht krampfhaft verquickt, sondern in einen viel weiteren Rahmen gestellt. Experimentelles und Abstraktes haben Platz, Stücke machen unerwartete Kehrtwendungen, es wird wild, witzig und bissig. Zusammengehalten wird dieses Panoptikum durch die Qualität der Instrumentalisten und die Intelligenz der Arrangements, hauptsächlich aber durch Maja Osojniks Stimme, bei deren dunklem Timbre ich sowieso sofort schmelze. Ein vor Ideen schier platzendes Album, trotzdem unprätentiös und höchst unterhaltsam. Darauf jetzt ein Kokta! 

 

news from http://www.konservatorium-wien.ac.at

Jazz Festival Award für Harald Baumgartner, Max Gaier und Maja Osojnik
Großer Erfolg für die neue Jazz-Gesangsklassse von Ines Reiger
Der 21-jährige Harald Baumgartner, der 23-jährige Max Gaier und die 29-jährige Maja Osojnik wurden mit dem neuen "Jazz Fest Wien Award" ausgezeichnet. Alle drei studieren seit Herbst 2005 bei Ines Reiger in der neu eingerichteten Klasse für Jazz-Gesang. Der Jazz Fest Wien Award wurde zur Förderung ausgesuchter Jazz-Vokalisten ins Leben gerufen. Die Preisträger dürfen sich über Auftritte beim Jazz Fest Wien und vier Studiotage freuen. Ines Reiger und ihre ausgezeichneten Jazz-Vokalisten werden übrigens auch am 24. Juni auf Ö1 zu Gast sein.

 

of balkon and vita osojnik&marko urbanek projekt

Heidemarie Klabacher in http://www.drehpunktkultur.at/sites/txt06/7txt/5384.htm

Theaterkritik
Der schöne Schein tanzt Reigen
Vita Osojnik, Marko Urbanek und die Gruppe "Balkon" mit "Good Morning, who are you" bei der Sommerszene 06 in der ARGE 
Von Heidemarie Klabacher 
10.07.06 Ein Paar tanzt: perfektes Styling, perfekt fixiertes Lächeln, perfekt erotische Ausstrahlung, perfektes Schauspiel ewigen Begehrens... Das ist „Standard“ auf den Tanzböden internationaler Latin-Wettbewerbe, ist aber auch „Standard“ bei allen Auftritten, bei denen die Reichen und Schönen „Seitenblicken“ aller Art ausgesetzt sind. So sieht man sich, so will man gesehen werden.
Nicht zu sehen ist - gottseidank – in der Regel, wie’s daheim im Badezimmer, auf dem Klo, im Bett oder in der Küche ausschaut und zugeht. Diesen üblicherweise gnädig fallenden Vorhang vor dem Privatleben haben Vita Osojnik, Marko Urbanek und die Gruppe „Balkon“ herunter gerissen.
Während das Paar in Echtzeit und live im ARGEkultur-Saal seine Tanzshow abzieht, zeigt ein grandios geschnittenes Video in oft beängstigenden Nahaufnahmen die selben Menschen jenseits von Glanz und Glamour. Das ist keineswegs immer unappetitlich, es gibt auch viele Szenen voll Witz und Ironie, etwa wenn zwei Hände mit verbundenen Fingerspitzen einen Krautkopf attackieren, die hingemetzelten Blätter leitmotivisch wieder auftauchen und schließlich in einem riesigen Gurkenglas eingemacht werden. Ein Porzellan-Schwan wird liebevoll abgewaschen und poliert – und dann mit dem Hammer zertrümmert. Nackte Menschen mit buntem Federkleid hocken desperat wie gefangene Vögel in einer Ecke und scharren verloren im Sand...
„Untermalt“ zugleich aber mit einer weiteren Aussage- und Bedeutungsebene versehen werden live Tanz und Video von der Gruppe „Balkon“, die das jeweilige Geschehen mit raffiniert sparsam eingesetzten Klangeffekten akzentuieren und verstärken.
Und gleichzeitig geht im Saal der Tanz weiter: Schlusspose, Abgang, Auftritt, unendliche Tretmühle des schönen Scheins. Kleid und Anzug sind nach einer Dreiviertelstunde dunkel vom Schweiß, doch das Lächeln ist Tänzer und Tänzerin ins Gesicht gemeißelt... Man spürt die Anstrengung, aber man sieht sie fast nicht – der Schein muss gewahrt bleiben...
Es war die bisher radikalste Produktion der Sommerszene 2006: „Good morning, who are you“ entstand im Rahmen des gemeinsamen „Performance lab“ von „Schmiede 05“ und ARGEkultur. Vita Osojnik, Marko Urbanek und Balkon verwiesen mit ihrer stilisierten und artifiziellen Auseinandersetzung mit der Spannung zwischen „Öffentlich“ und „Privat“ doch tatsächlich die legendären „Superamas“ ins Unterhaltungs-Vorabendprogramm...

 

Selection of other critiques of balkon and vita osojnik&marko urbanek projekt:


"...That was until now the most radical production of Sommerszene 2006: "Good morning, who are you?" was designed within Performance lab "Schmiede 05" and ARGE kultur. With their stylized and artificial explanation of the tension between public and private have Vita Osojnik, Marko Urbanek and Balkon in fact chased away the legendary "Superamas" to the afternoon entertainment program..."
(DrehPunktKultur, Theaterkritik, Heidemarie Klabacher, 10.7.2006)

"...In the time, when couple is dancing live on stage, the great edited video represents many times frightening shots of the very same persons, this time without glamour and splendour. But they are not always tasteless, there are also many scenes full of humor and irony..."
(DrehPunktKultur, Theaterkritik, Heidemarie Klabacher, 10.7.2006)

"Vita Osojnik and Marko Urbanek sprung into the scenery of noise, witch intensified the video projection with turn tables, bass, drums and vocal. They danced passionately as an opposition to intimate glances, pieces of reality and fears represented to the public..."
(SVZ, Chrisi, 10.7.2006i)

"Punk lives and so does the courage of putting something new to the stage..."
(Sommerszene '06, Salzburg, APA, 8.7.2006)

 

of maja osojnik trio

2. Kremser Jazzherbst, 10/2002, http://www.totaldeluxe.com/jazzclub/reviews.htm

(...) Deutlich ruhiger begann der Samstag abend mit dem Maja Osojnik Trio. Bekannte Klassiker und unvergessliche Standards interpretiert von einer perfekten Mischung aus supersanfter Stimme, stimmungsvollem Klavier und relaxtem Kontrabass verbreiteten eine angenehm entspannte Atmosphäre (...)

 

http://www.eisenstadt.at/news/

(...) Gemeinsam mit ihren musikalischen Wegbegleitern, Philipp Jagschitz (Mattersburg) am Klavier und Bernd Satzinger (Wien) am Kontrabass, erzeugt die Sängerin eine intime Atmosphäre, die den Zuhörer ganz in die Stimmung der Musik eintauchen lässt.
Mit ihrer dunklen Alt-Stimme, dem farbenreichen Klängen des Pianos und dem kreativen Unterbau des Bass, interpretiert Maja Osojnik (Kranj/Slowenien und Wien) stilsicher melancholische Balladen und temporeiche Swingnummern von Jerome Kern, Richard Rodgers, George Gershwin,(...)

 

of ensemble mikado

http://franzszabo.fastmail.fm/musik/musik146.html

English Renaissance Consort Music and Songs, Ensemble Mikado, Stiftskirche Ardagger, 28. Juli 2007, 20 Uhr
In der idyllisch gelegenen Stiftskirche von Ardagger, deren Wurzeln bis ins Spätromanische zurückreichen, erklangen an diesem herrlich regenduftintensiven, Mostviertler Sommerabend Konsortmusik und Lieder aus der Hochblüte englischer Renaissance zur Zeit von Königin Elizabeth I.. Das junge, 2003 gegründete Ensemble Mikado brillierte mit seiner ausdrucksstarken Sopranistin, je nach Stück drei bis vier Flöten und einer Gambe. Die dunkelhaarige Sängerin Agnes Heginger verfügt neben ihrer emotionsgeladenen Gesangskunst nicht nur über eine bezaubernde Bühnenpersönlichkeit, sondern schenkt dem Ensemble Herz und Antlitz. Thomas List, Katharina Lugmayr und Maja Osojnik bilden einen reinen Flötenkonsort, der von der Sopranblockflöte bis zur Großbassblockflöte ein farbstarkes Klangspektrum zaubert. Bei Bedarf greift die Gambistin Eva Reiter zur vierten Flöte, List und Osojnik lassen auch sängerisch die Emotionen sprudeln, wenn sie mit bewegter Körpersprache vom Feuer der Liebe künden. Zwischen Fantasien, Gaillarden und Pavanen – in perfektem Zusammenklang der unterschiedlichen Flöten englische Melancholie und Tristesse beschwörend – hörte man unter anderem eine gesungene Hymne an den wechselhaften, Aprilwetter gleichenden, Wankelmut der Frauen, am desillusionierten Ende instrumental so herb ausklingend, dass der kalte Hauch des Herbstes die Wange streifte. Die Geschichte eines dummen Jungen, der so verliebt ist, dass er seine Gefühle der Angebeteten nicht einmal zu gestehen wagt, von Heginger mit verlöschender Stimme gesungen, nein gehaucht, als der arme und verzweifelte Kerl schlussendlich dem Tode nahe. Originell auch die Klagen eines Bauernsohnes über die Mühen und Plagen des Liebeswerbens – genial die Lösung der Angebeteten: Er könne sich all den Aufwand sparen, wenn er ihr immer den Willen ließe! Nach fröhlichem Lobgesang von John Bennet auf die kunstliebende Monarchin erklang eine melodisch und rhythmisch bezaubernde Hymne von Edward Johnson an sie. In unnachahmlicher englischer Gesangskunst wandelte die Tochter einer männerlosen Mutter auf Freierspfaden, verabschiedete sich ein gebrochener Mann für immer von seiner verstorbenen Frau und sang eine ledige Mutter für ihr Kind, dessen Zukunft – gleich der ihren – mit dem Verschwinden des Vaters jegliche Aussicht genommen ward. Zum Schluss die zornig bewegte Klage über den Tod des besten Hundes der Welt, dem von einem “manly beast” oder “beastly man” das Hirn aus dem Kopf geprügelt worden war. All diese Schattierungen unterschiedlichster Affekte malte die Sopranistin mit virtuos beweglicher Stimme vom Hauchen bis zum Schreien mit überzeugenden Seelenregungen, kongenial unterstützt von den expressiven Flöten und einer Gambe, der man bei so manchem Stück etwas mehr Mut zu kraftvolleren, ja sogar rauheren Tönen gewünscht hätte. Das dankbare Publikum spendete begeistert Applaus und erfreute sich an drei temperamentvollen Zugaben.

 

Renaissance-Schloss Höch in Flachau am Donnerstag (7.6.) im Rahmen der Paul Hofhaimer Tage 2007. 
Von Heidemarie Klabacher
08/06/07 Ob die neuesten "Hits" der Renaissance-Komponisten damals von Salzburg aus auch den Weg hinauf zum abgelegenen Schloss Höch in Flachau gefunden haben? Das verraten die Urkunden nicht. Aber genau wie das Konzert des "Ensemble Mikado" könnte auch ein musikalischer Abend am Hofe der Grafen Plaz um 1600 ausgesehen haben.
Englische Renaissancemusik, Consortmusik für Blockflöten und Gambe und Madrigale von John Dowland bis William Byrd, bildeten mit den behutsam und kundig renovierten Räumen im Renaissance-Schloss Höch eine Einheit, wie sie stimmiger nicht sein könnte.
(...) Agnes Heginger, die Sängerin des "Ensemble Mikado", becircte mit ihrer brillanten Gesangstechnik und ihrem Charme das Festpublikum auf Schloss Höch vom ersten Ton an. Es kann niemand so effektvoll in blutenden Liebeswunden wühlen, wie die Elisabethaner (höchstens Schubert, aber da kippt immer alles gleich ins Pathologische), es kann aber auch niemand mit soviel Gefühl die Geliebte in den siebten Himmel loben wie John Dowland, Tobias Hume oder William Byrd. Agnes Heginger brachte diese ganze Gefühlspalette mit hinreißender Gestaltungskraft und bewundernswerter Textdeutlichkeit zum Ausdruck.
Das Ensemble Mikado musizierte teils anonyme Flötenstücke und Werke von Thomas Simpson oder Giles Farnaby mit mitreißender tänzerisch-swingender Phrasierung. Einzigartig homogen und dabei immer strahlend klar war der Flötensound auf federndem Gamben-Grund.

 

Goldberg Magazine, The international early-music portal
www.goldbergweb.com

CD-Rezensionen "The DARK is my DELIGHT" (ORF-Edition Alte Musik)
…“The Ensemble MIKADO consists of a soprano and four recorder players, one of who also plays the bass viol. They have put together an interesting programme of English consort pieces and songs.”… 
…”The recorder players are flawless, maintaining perfect intonation and ensemble no matter how fast the tempo, and adding imaginative effects such as their delicate rhythmic ‘chuffing’ in Hugh Ashton’s Masque”… 

 

Franz Szabo in http://homepage.mac.com/franzszabo/musik/musik124.html

Ensemble Mikado, The dark is my delight, ORF Edition Alte Musik, CD 406

Das Ensemble Mikado gewann den Wettbewerb "The International Young Artist's Presentation-Early Musik" im Jahr 2004 beim Flandern-Festival in Antwerpen. Die vorliegende Aufnahme widmet sich "English Consort Music and Songs", unter anderem von Byrd, Dowland, Hume, Johnson, Simpson und Weelkes, aus der Hochblüte englischer Renaissance Musik unter der Herrschaft Elisabeth I. Das junge Ensemble wählte nicht zuletzt den Titel "The dark is my delight" für diese CD, um auf die enormen Kontraste zwischen Hof- und Alltagsleben, verfeinerter Kultur und Analphabetismus, wissenschaftlichem Fortschritt und Alltagsschmutz, sowie Emotionen, die von Freude bis zu tiefster Verzweiflung reichen, hinzuweisen. Künstlerisch und musikalisch ist die Aufnahme vorzüglich gelungen, sowohl sängerisch mit Agnes Hegingers schönem, emotional geführten Sopran (in lupenreinem Englisch!), wie auch instrumental einfühlsam mit mehreren Blocklöten und einer Gambe. Musik, die ahnen lässt, wie nahe damals Glück und Tod einander gegenüberstanden - umso wichtiger, sich den kurzen Freuden vollen Herzens bedingungslos hingeben zu können. So folgt auf das gramgebeugt todessehnsüchtige Orgeln der Gambe in Tobias Humes "What greater grief" ein expressionistischer Stimmausbruch sonder gleichen bei Thomas Weelkes mitreißenden Marktschreien, um mit Richard Nicholson anschließend einen blumenfrohen Maienmorgen zu beschwören. Eine memorable CD, die man unbedingt besitzen sollte!

 

Crescendo - das Klassikmagazin, www.crescendo-magazin.de

"The Dark is my Delight", behauptet das Ensemble Mikado, das aus elisabethanischer Musik einen bunten Strauß gebunden hat. Bekannte und auch unbekannte Stücke von bekannten und unbekannten Komponisten aus der Zeit von Shakespeare ergeben eine bezaubernde, manchmal fast meditative Mischung. Lieder für Singstimme und Gambe, Consort Music für vier Blockflöten, aber auch mehrstimmiger a cappella - Gesang und Solostücke finden sich auf dieser CD. Das Ensemble Mikado, bestehend aus der Sopranistin Agnes Heginger, dem Blockflöten-Trio Thomas List, Katharina Lugmayr und Maja Osojnik sowie Eva Reiter, die das Gambenspiel ebenso beherrscht wie die Blockflöte, serviert den Streifzug durch den musikalischen Garten von Anonymus über William Byrd, John Dowland und Tobias Hume bis zu Thomas Weelkes klangschön und stilsicher. NL 

 

Peter Grahame Woolf in www.musicalpointers.co.uk

(...) The deservedly successful group was Ensemble Mikado from Vienna. Everyone seemed pleased and satisfied with that decision, as were we (…)

 

NÖN (Niederösterreichische Nachrichten), Woche 12/2004

"700 Jahre alte Klänge in der Klosterkirche.

Musik aus dem vierzehnten Jahrhundert bekamen die Besucher eines Konzerts in der Klosterkirche des Instituts "Sacre Coeur" zu hören. Ein junges Quintett brillierte (...) Die fünf jungen Künstler vom Ensemble Mikado mögen ihre Musik sehr. Das spürt man bei jedem Ton, sieht es an jeder ihrer Bewegungen während des Spiels. Letzten Samstag gaben sie ein Konzert in der Klosterkirche des Instituts Sacre Coeur unter dem Titel "Beauté Parfaite". Ein gleichnamiges Werk von Antonello da Caserta wurde unter anderen aufgeführt und vom fachkundigen Publikum bejubelt."

 

Kronenzeitung - Kritik in Kürze, 24. Jänner 2004

"Klänge des 14. Jahrhunderts zauberte das Ensemble MIKADO in die Linzer Martinskirche. Agnes Heginger (Gesang), Elisabeth Kurz (Viella), die Blockflötisten Katharina Lugmayr, Maja Osojnik und Thomas List führten in einen selten zu hörenden Klangfarbengarten. In Philipotto da Casertas "En attendant" war einem, als ob man in ein Paradies eintrete." EnTe

 

Frank Zabel für www.blockflöte.de -  Rezensionen, Herbst 2003

"Die diesjährigen Weltmusiktage der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (ISCM) fanden in der Zeit vom 26. September bis zum 3. Oktober erstmals in Slowenien statt. ... Die Komposition AIRBORNE FRACTALS für (Renaissance-) Blockflötenquartett des in Lüdenscheid/NRW lebenden Komponisten und Musiktheoretikers Frank Zabel eröffnete das diesjährige Festival auf der Burg Predjama.
Das Wiener Ensemble MIKADO spielt die AIRBORNE FRACTALS in einer furiosen und höchst ausdrucksvollen Interpretation auf modernen Flöten, was dem Werk gegenüber seiner Originalgestalt mit Renaissanceinstrumenten einige interessante neue Facetten bescherte. Der Auftritt von MIKADO wurde vom Publikum begeistert aufgenommen und wird wohl nicht die letzte Zusammenarbeit des Ensembles mit Frank Zabel gewesen sein. Ein neues Werk ist zumindest schon angedacht worden…"

 

of low frequency orchestra

"2003 gaben sechs MusikerInnen den Startschuss für dieses multinational besetzte Ensemble mit Lebensmittelpunkt in Wien. Heißt, die beiden weiblichen Mitglieder des Klein-Orchesters stammen aus Mexico – Angélica Castello bzw. aus Slowenien – Maja Osojnik, die Herren sind allesamt Österreicher. Entwachsen sind sie unterschiedlichen musikalischen Entwicklungsgeschichten, sei es Rock, Jazz, Neue wie Alte Musik. Zur Aufgabe gestellt hat sich das Ensemble, den Soundqualitäten und -potentialen tiefer Blockflöten, Castello und Osojnik sind namhafte Spezialistinnen für Bass- und Kontrabassblockflöten, tiefen Saiteninstrumenten, Perkussion und Elektronik nachzuspühren und mit eigener Handschrift in Beziehung zu setzen. Dies geschieht im Spannungsfeld improvisatorischer Kollektivität und kompositorischer Konstrukte. Dieses Spannungsfeld verstehen die ProtagonistInnen mit souveräner Eloquenz zu beleben. Unter anderem haben bereits Katharina Klement und Veronika Simor Stücke für das Ensemble konzipiert. In vorliegendem Live-Mitschnitt eines Konzertes aus der Ruprechtskirche, welches im Rahmen der von Angélica Castello kuratierten Konzertreihe „Neue Musik in St. Ruprecht“ stattfand, widmet sich das Ensemble ausschließlich der non-idiomatischen Improvisation. Mit ohrenfälliger Subtilität in der Interaktion, einem Gespür für spontane Texturen und Einfallsreichtum betreffend Klang- und Geräuschfarben subsumiert sich die Ereignishaftigkeit zu einem tiefenwirksamen, fluoreszierenden Geschehen. Niederfrequente Klangbänder präsentieren erstaunliche Fassetten, in die sich helle Farben von Perkusssion und Elektronik einnisten. Punktuelle wie flächige Konstellationen bilden das Fundament für raumgreifende, dialogische Gestaltungsprozesse, in denen tonale Flecken, geräuschhafte Ausbruchsfiguren ebenso wie bizarre rhythmische Labyrinthe wechselnde Dichte- und Dynamikgrade aufblühen lassen. Brisante Musik von sensibler innerer wie äußerer Spannung, der man mindestens ein Ohr leihen muss. Low frequency – high musicality. Ein Ensemble der nächsten Stunden"H

Hannes Schweiger in Jazzlive